anerkannte Heiler

Jede Tradition benennt ihre persönlichen Begleiter und Heiler anders. Jeder Begleiter ist aber ein Mensch, der sich um das Wachstum des Ratsuchenden kümmert. Der persönliche Bezug wird und wurde fast überall betont.

In unserer westlichen Welt haben den Platz der Berater und Heiler im wesentlichen Ärzte, Heilpraktiker und Psychotherapeuten eingenommen. Hier und da hören wir noch von Wunderheilern und neuen Hexen. Spirituelle Heiler sind in der westlichen Welt in den Hintergrund getreten. Den Platz der Religionen nimmt vieler Orts der Konsum und die Spassgesellschaft ein.

Der gesellschaftliche Umgang mit Heilen und Beraten ist ein mächtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Aus der Heilbeziehung, in der es darum geht das der Ratsuchende sich entwickelt, heil wird, ist mehr eine wirtschaftliche Beziehung von Macht, Abhängigkeit und Eigeninteresse der Beratenden und Heiler geworden.

Es scheint zur Zeit mehr darum zu gehen, wer wo was mit Heilen und Beraten verdienen kann, als wer, wo, wie jemand geheilt werden könnte. Alle Menschen, die wirklich heil werden möchten, gehen letztlich dem Geschäft mit dem Heilen verloren.

Das staatlich genehmigte Geschäft mit dem Heilen und Beraten zeigt ganz deutlich, das es wesentlich um die Bewältigung des Alltags mit den körperliche Schwierigkeiten geht. Die Bedeutung und die Auswirkungen von Nichtalltäglichem, Seelischem als ein wichtiger Bestandteil unserer Realität wird immer noch wenig in Betracht gezogen, eher bekämpft, oder in Psychiatrien vom Alltag ferngehalten.

Bei freien, in eine Tradition eingebundenen Beratern und Heilern ist das Heilungsbewusstsein oft noch anders. Sie betrachten alle vorhandenen Realitäten als wichtig. Der gesellschaftlich ablehnende Umgang mit freien, traditionellen Heilern ist nichts Neues. Es gab Zeiten, da wurden weise Frauen und weise Männer als Hexen und Hexer verbrannt. Heute werden sie nicht mehr verbrannt, heute versucht man sie eher zu diffamieren und als Spinner an den Rand zu drängen oder aus der Heilungsgesellschaft zu verbannen.

Heilung, heil werden ist in jedem Zeitalter ein zentrales Thema von Gesellschaft gewesen. Der Umgang mit dem Thema spricht alle an und beschäftigt jeden. Die Welt ist voll mit Heilbotschaften. Alle versprechen Heilung, angefangen von der "Wissenschaft abgesicherten Medizin" bis hin zu den alternativen Heilern und traditionellen Heilungsmethoden.

Schon die Kinder sagen, wenn ihr Spielzeug kaputt ist. "Mache das bitte wieder heil, mache es wieder ganz." "Die Wunde heilt wieder" heisst, die Verletzung wird aufgehoben. Wenn man nicht viel sieht, heisst es: "das ist aber gut verheilt". Wenn etwas Schlimmes passiert ist, heisst es: "die Zeit heilt alle Wunden". Oft meinen wir mit Heilen unsere körperlichen Wunden und vergessen die seelischen Wunden ganz.

Staatlich anerkannte Heiler sind sinnvoll und notwendig. Sie verbessern mit den wissenschaftlichen Methoden die Heilungsmöglichkeiten für den Alltag. Was fehlt, ist eine Anerkennung und Kooperation mit den Beratern und Heilern, die sich um nichtalltägliche Wirklichkeiten kümmern.

Dieses Ungleichgewicht in der Bewertung und Behandlung von Alttäglichem und Nichtalltäglichen spüren viele Menschen und suchen nach Angeboten, von der alternativen Medizin bis hin zur Esoterik. Es werden und wurden in den letzten Jahren viele Möglichkeiten und Techniken für nichtalltäglichen Wirklichkeiten offen gelegt. Sie werden bestaunt, wie im Film "Harry Potter". Und wie in "Harry Potter" gezeigt wird, kann man besondere Techniken lernen.
Es ist aber nicht die besondere Technik , die eine Behandlung des Nichtalltäglichen gewährleistet. Es sind die Menschen, die mit ihren persönlichen Beziehung diese Techniken beseelen. Was nutzt die beste Therapie- und Behandlungstechnik, wenn die eigene Seele des Beraters und Heilers nicht mitschwingen kann. Dann bekommt der Heiler etwas für sein Tun. Der Ratsuchende kann aber nicht weiter wachsen, heil werden.
Aus einer Heilbeziehung wird notwendigerweise eine Beziehung von Macht und Eigeninteresse. Es geht dann nicht mehr um Wachstum, sondern nur noch um Anwenden von Rezepten mit vielen Nebenwirkungen. Schlecht fürs Heilwerden, gut fürs Geschäft


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    copyright © Hans Jorgen Wevers Mönchengladbach, den 23 Juni, 2006